Die "ZIEGENFAMILIE"
   
   
   
Diese Ziegenfamilie ist in einem Hof in der Preysingstraße 62 zu finden und hat natürlich auch eine Geschichte. Vorab sei aber darauf hingewiesen, dass die Ziegen auf einem Privatgelände mit Gartentüre stehen und man nicht einfach den Hof betreten sollte. Ihr würdet es auch nicht wollen, wenn wildfremde Menschen in Eurem Hof oder Garten herumlaufen würden! Wenn man aber die Anwohner höflich fragt ob man sich die Ziegen mal anschauen darf, dann kann man ohne weiteres die Gartentüre öffnen, in den Hof gehen und die bronzenen Tiere bewundern. Ein kleines "Dankeschön" an die Anwohner rundet die Sache ab.
Die Ziege war bei den Ostendlern, also den Bewohnern der Vorstädte wie Haidhausen, der Au und Giesing, ein beliebtes Haustier, weil sie hinsichtlich des Futters so genügsam war. Früher hatten die Menschen für sich kaum genug, da konnten sie nicht auch noch Tiere ernähren. Doch die Ziegen bewährten sich, vor allem in den Jahren nach 1836 und 1854, als die Cholera in München gewütet und mehrere tausend Einwohner dahingerafft hatte. Und damals standen Kühe im Verdacht, Krankheitserreger zu beherbergen und verseucht zu sein. Es ging das Gerücht herum, dass Kuhmilch schwere Durchfälle verursacht. Wer es sich in München damals leisten konnte, der trank lieber Ziegenmilch. Auch sogenannte "Milch - und Molkekuren" hatten den Ruf, gegen Tuberkulose zu helfen und die Ziegenmilch stand deshalb bei der Bevölkerung hoch im Kurs. Um 1860 trieben die Frauen dreimal pro Woche ihre Ziegen über die Maximiliansbrücke auf den Viktualienmarkt und banden sie an, um sie zu melken. Innerhalb kurzer Zeit etablierte sich dort der einzige überlieferte Ziegenmilchmarkt des Landes. Ein Glas Ziegenmilch kostete 16 Reichspfennig. Keiner der anwesenden Kunden wollte sich das Glas Ziegenmilch entgehen lassen, und so war das Drängen und Schubsen groß und sogar die Gendarmen mussten regelmäßig eingreifen und für Ordnung sorgen. Bis zu Beginn des ersten Weltkrieges ist der Münchner Ziegenmilchmarkt am Viktualienmarkt überliefert. Danach verliert sich seine Spur. Doch die Ziege, der Bock und das Zicklein erinnern noch heute daran, welche Rolle die Tiere einst in der Wirtschaftsgeschichte der Vorstädte spielten.

   
 
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